Halt im Rücken finden
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Diese Übung ist inspiriert von einem Artikel von Mary A.C. Carceller (2015). Sie beschreibt, wie ein neugeborenes Kind in den ersten Lebensmonaten über die Erfahrung des Körpers zur Person wird. Einer der von ihr beschriebenen zentralen Aspekte dabei ist die Erfahrung, einen sicheren und soliden Halt im Rücken zu erfahren: zunächst im Liegen durch den Boden, dann durch das sichere Getragensein durch liebevolle Bezugspersonen, die den Rücken und Kopf des Kindes stützen und halten. Dadurch entwickelt sich ein grundlegendes Gefühl von Halt und Sicherheit im Leben. Durch das Erleben einer guten Stütze in der Körperrückseite wird ein entspanntes und freies Sich-Öffnen der Vorderseite des Körpers möglich, die Fähigkeit, sich der Umwelt zu öffnen und über die Vorderseite zu geben und zu empfangen. Diese Übung eignet sich gut für Menschen, die sich verunsichert oder entwurzelt fühlen, die unter Stressbelastung körperliche Beschwerden oder Ängste entwickeln, und die sich wünschen, wieder mehr Stabilität und Standfestigkeit zu entwickeln.
Bitte keine Schuhe mit Absätzen tragen, die Füße sollten flach auf dem Boden stehen. Spüren Sie kurz in sich hinein, wie Sie dastehen und wie sich das anfühlt.
Dann fassen Sie wieder Fuß, indem Sie die Fußsohlen leicht gegen den Boden drücken, und von unten her durch die Beine die Wiederaufrichtung vorbereiten. Rollen Sie nun von unten nach oben wieder ganz langsam die Wirbelsäule hoch, nehmen Sie dabei mit jedem einzelnen Wirbel kurz Kontakt auf und lassen Sie sich Zeit dabei. Wenn Sie wieder ganz oben angekommen sind, lassen Sie Ihren Körper wieder einen guten, aufrechten Stand finden. Die Füße stehen parallel und etwa Schulterbreit, das Kinn wird ganz leicht nach hinten gezogen (bzw. bitte nicht nach vorne gestreckt). Stellen Sie sich vor, Ihr oberster Scheitelpunkt wird durch einen seidenen Faden sanft nach oben gezogen. Nachspüren. Nehmen Sie sich jetzt für ein paar Momente Zeit, den Unterschied zu spüren. Wie stehe ich jetzt da, fühlt sich etwas anders an als vorher? Wo im Körper spüre ich den Unterschied? |
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Phase 2 – Wärme und Stütze in der Lendenwirbelsäule. Bleiben Sie so entspannt und aufrecht stehen und stellen Sie sich vor, eine warme, große, stützende, liebevolle Hand lege sich auf Ihre Lendenwirbelsäule (wenn Sie möchten, können Sie auch, um sich das besser vorstellen zu können, für ein paar Momente Ihren eigenen Handrücken dort hinlegen. Falls Ihnen die Vorstellung einer stützenden Hand unangenehm oder fremd ist, können Sie sie ersetzen durch etwas anderes Warmes, das Sie als angenehm empfinden, z. B. eine Wärmflasche oder ein festes Kissen.) Stellen Sie sich vor, Ihren unteren Rücken von innen heraus an diese Hand anzulehnen, so als ob Sie Ihren Lendenwirbelbereich nach hinten entspannen würden. Wahrscheinlich wird das dazu führen, dass sich Ihre Haltung ganz leicht verändert – dabei geht es aber nicht um eine größere Bewegung, sondern nur um Millimeter. Spüren Sie, was sich dadurch verändert. Möglicherweise spüren Sie einen besseren Bodenkontakt in den Füßen. Oder ein Gefühl von mehr Stabilität, Erdung, Entspannung, Loslassen oder Getragensein. Phase 3 – Inneres Anlehnen. Stellen Sie sich nun vor, dass eine zweite Hand im Rücken zwischen den Schulterblättern hinzukommt, an die Sie sich anlehnen können. Spüren Sie dieses Gefühl, sich von hinten unterstützt zu fühlen, so dass der Brustkorb sich ganz wie von alleine etwas öffnen und weiten kann. Sie können auch beobachten, ob sich dabei Ihre Atmung verändert. Nach ein paar Momenten können Sie dann die Vorstellung der stützenden Hände ersetzen durch einen großen, schönen Baum, an den sich die Wirbelsäule in ihrer ganzen Länge anlehnen kann. (Wichtig: Lehnen Sie sich dabei nicht nach hinten, sodass Sie in Schräglage kommen, das würde zu einer erhöhten Anspannung führen. Bleiben Sie aufrecht und gut ausbalanciert stehen und stellen Sie sich vor, Sie würden sich von innen heraus anlehnen). Genießen Sie das sichere Gefühl von Halt und Standfestigkeit, das Sie im Kontakt mit dem Baum erfahren. Lassen Sie vor Ihrem inneren Auge den kraftvollen, mächtigen Stamm entstehen. Die Wurzeln, die dem Baum Halt geben und ihn mit Nährstoffen versorgen. Die beweglichen Zweige und Blätter, die sich sanft im Wind bewegen und von der Sonne beschienen werden. Spüren Sie das Gefühl von sicherem Halt und Getragensein im Rücken, und beobachten Sie, was sich durch diese Vorstellung in Ihrem Körper verändert. Wie spüren Sie Ihre Füße und den Bodenkontakt? Wo im Körper empfinden Sie ein Loslassen, ein Freilassen, ein Entspannen, eine Leichtigkeit? Integration in den Alltag. Wenn Sie spüren, dass diese Übung Ihnen gut getan hat, dann können Sie sich dieses Körpergefühl im Alltag immer wieder herholen. Sie können sich z. B. auf einen Stuhl setzen (im Büro, in einer langweiligen Teambesprechung, im Wartezimmer beim Arzt, im Zug) und sich an die warmen Hände im Rücken bzw. an Ihren Baum erinnern, sich innerlich anlehnen, und dieses sichere Gefühl von Halt und Geborgenheit wieder aufrufen. Tun Sie das so oft, wie es Ihnen gut. |