Eva Reich, die in Wien, Prag und Berlin aufwuchs, später in die USA emigrierte und dort verstarb, gilt als Wegbereiterin der sanften natürlichen Geburt und Pionierin der heutigen Frühen Hilfen. Als Ärztin und langjährige Assistentin ihres Vaters Wilhelm Reich – Schüler von Sigmund Freud und Begründer der Körperpsychotherapie – beschäftigte sie sich seit den 1950er-Jahren mit der Bedeutung der Selbstregulation und „Neurosenprophylaxe“ aus körperpsychotherapeutischer Sicht. Eva Reichs Interesse galt dabei vorrangig der Erforschung der frühen Bindungen zwischen Eltern und ihren Säuglingen. Sie erkannte frühzeitig die Bedeutung einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung für die psychische und körperliche Entwicklung des Kindes.
Eva Reich wurde 1924 als erstes Kind der Psychoanalytiker Wilhelm Reich und seiner Frau Annie (geb. Pink) geboren. Sie wuchs zunächst in Wien auf und ab 1930 in Berlin. 1933 trennten sich die Eltern. 1938 emigrierten die Mutter und beide Töchter unter anderem aufgrund ihrer jüdischen Abstammung in die USA. Reich absolvierte dort ein Medizinstudium. Nach fast zwei Jahrzehnten der Entfremdung von ihrem Vater arbeitet sie ab 1950 an dessen „Orgonomic Infant Research Center“ mit.
Ein zentraler Bestandteil von Eva Reichs Arbeit war die Betonung der Bedeutung von Berührung und körperlicher Nähe für die Entwicklung des Kindes. Sie lehrte Eltern, wie sie durch sanfte Massagen und liebevolles Wiegen eine Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit schaffen können, die für die gesunde Entwicklung ihres Säuglings unerlässlich ist.
Eva Reich interessierte sich besonders für die Säuglingsforschung ihres Vaters und die Frage, wie durch entsprechende Betreuung am Anfang des Lebens späteren Neurosen vorgebeugt werden könne. Ab 1950 arbeitete sie als Ärztin und Geburtshelferin in New York Harlem Hospital. Hier begann sie körpertherapeutische Methoden in der klinischen Arbeit mit Müttern und Babys einzusetzen und weiterzuentwickeln. Die heutige Form der Schmetterlingsberührung und Babymassage entwickelte sie in Zusammenarbeit mit der australischen Kinderkrankenschwester Amelia Auckett.